Vereinsemblem
 
Schützenverein von 1900 e.V. Berenbostel
 

"Oberstes Ziel wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sein"

Alfred Kubocz über seine Motivation und seine Ziele als Vereinsvorsitzender

 

Alfred Kubocz ist seit 2011 Mitglied des Schützenverein Berenbostel und wurde bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2015 einstimmig - in offener Abstimmung - zum neuen Vereinsvorsitzenden des Schützenverein Berenbostel gewählt.

Du bist seit 3 ½ Jahren Mitglied im Schützenverein Berenbostel. Wie bist Du auf den Schützenverein Berenbostel aufmerksam geworden?

Kubocz: Im Grunde genommen durch meine Frau. Wie wir hierher gezogen sind nach Berenbostel – das ist auch erst vier Jahre her – wollten wir irgendwie am Vereinsleben teilnehmen und meine Frau sagte, sie will in den Schützenverein, weil sie früher Bogenschießen gemacht hat. Ich wollte in den Angelverein gehen. Dann hat sie zum ersten Mal beim Übungsschießen teilgenommen und ich bin dort mit hingegangen und das hat mich dann gleich so überzeugt, dass ich gesagt habe: „Angelverein vergessen wir mal, ich werde jetzt auch in den Schützenverein eintreten“. So habe ich dann wenige Minuten nach ihr das Eintrittsformular unterschrieben.

1. Vorsitzender Alfred Kubocz

Stimmt es, dass Du auch Mitglied im Schützenverein Westerland/Sylt bist?

Kubocz: Ja, richtig. Wir sind mehrfach im Jahr in Westerland auf Sylt. Wir haben dort an einem Gästeschießen teilgenommen und auch da war alles so herzlich , dass wir Fördermitglied geworden sind. Als Fördermitglied kann man aber nicht an allen Wettbewerben teilnehmen, deswegen sind wir jetzt seit gut eineinhalb Jahren auch dort aktives Mitglied im Schützenverein.

Was ist Dein Hauptgrund für die Mitgliedschaft im Schützenverein? Die Geselligkeit, die Traditionspflege oder der Schießsport?

Kubocz: Ich muss schon sagen, das ist der Schießsport, auch wenn ich nun nicht der begnadetste Sportschütze bin. An zweiter Stelle dann die Geselligkeit und die Tradition. Aber in erster Linie der Schießsport.

Vor 14 Tagen wurdest Du einstimmig zum 1. Vereinsvorsitzenden gewählt. War dieses Amt bereits Dein Wunsch als Du in den Verein eingetreten bist?

Kubocz: Überhaupt gar nicht. Noch nicht einmal annähernd daran gedacht, dass so etwas passieren könnte. Das ist erst vor eineinhalb Jahren beim Scheunenfest entstanden. Ich bin angesprochen worden, nicht ob ich das werden will, sondern dass hier oder dort mal Veränderungen eintreten könnten. Danach haben zunächst Gerüchte den Umlauf gemacht, ob der Kubocz das dann macht, denn der Horst [Dettmer] ist ja nun schon lange dabei und vielleicht wird er irgendwann zurücktreten. Dann hat sich das manifestiert, ich habe in Vorgesprächen erklärt, dass ich wohl  bereit bin und Lust dazu habe.

Dann bin ich ein Jahr, als 3. Vorsitzender, zusammen mit Horst [Dettmer] alles mal durch gegangen um dieses Amt kennenzulernen. Das hat mich nur bestärkt in meiner Meinung und in meiner Ansicht über das Amt des 1. Vorsitzenden, so dass ich es jetzt übernommen habe.

Ist es Dir schwer gefallen als 3. Vorsitzender in das Amt des 1. Vorsitzenden zu starten?

Kubocz: Nein, ich fand das war nur ein Vorteil für mich. Ich habe früher Handball gespielt, aber das war es auch, was ich vereinsmäßig überhaupt erlebt habe, außer diesen 3 ½ Jahren hier im Schützenverein. Von daher war es gut, erstmal als 3. Vorsitzender ein bißchen im Vorstand tätig zu sein um diese Seite kennenzulernen. Ich war zwar noch im Vorstand der CDU, aber das ist gar nicht zu vergleichen mit einem Vereinsvorstand, weil das hier vielfältiger ist.

Das Jahr [als 3. Vorsitzender] war überhaupt kein Problem, das musste ich haben. Es wird auch mindestens noch ein Jahr dauern bis ich alles einigermaßen alleine auf dem Schirm habe und Bescheid weiß.

Was motiviert Dich als 1. Vorsitzender zu amtieren?

Kubocz: Ehrlich gesagt, kann ich das gar nicht so genau sagen. Ich finde es ein tolles Amt. Was motiviert mich? (denkt nach)

Ich möchte gewisse Veränderungen haben. Ich möchte gerne Jugend an unseren Verein heranbringen, weil wir tolle Jugendleiter haben, aber kaum Jugendliche. Einen Verein zu führen, finde ich toll. Führungsaufgaben kenne ich ein bißchen durch meinen Job. Seitdem ich 1. Vorsitzender bin, reizt mich das jetzt immer mehr. Es ist selten, dass ich – für mich persönlich empfunden – irgendwo so sehr drin aufgegangen bin. Angefangen von Aktenordner beschriften, damit alles schön gleichmäßig aussieht, über Visitenkarten und so weiter. Das hat schon richtig Bock und richtig Spaß gemacht.

Als Vorsitzender bist Du der rechtliche Vertreter des Vereins, der Repräsentant nach außen und die zentrale Führungsfigur nach innen. Mal abgesehen von der Führungstätigkeit, konntest Du Dich auch in den anderen Bereichen schon mal ausprobieren?

Kubocz: Repräsentant nach außen: Da hoffe ich, dass ich das hinkriegen werde und freue mich drauf, weil es mich auch ein bißchen stolz machen würde, wenn ich etwas bekannter bin und es heißt: „Ach hier, das ist ja der Kubocz, der 1. Vorsitzende vom Schützenverein“. Ich freue mich auch viele Leute kennenzulernen, mit denen ich zusammen arbeiten oder einfach nur auskommen muss. Ich werde den Verein definitiv mit Stolz vertreten, da bin ich mir ganz sicher.

Rechtlicher Vertreter des Vereins: Ich bin mir bewusst, welche Verantwortung ich insoweit habe. Aus der Satzung oder dem BGB geht hervor, dass der 1. und der 2. Vorsitzende, wenn es hart auf hart kommt, die komplette Verantwortung für den Verein tragen. Das ist mir bewusst.

Was sind Deine Hauptziele?

Kubocz: Das oberste Ziel wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sein. Mein zweites Hauptziel ist die Priorität auf den Schießsport zu lenken. Wir sind in erster Linie ein Schützenverein und erst danach kommt Party machen und feiern. Ich habe das Gefühl, dass man sich zu wenig um den Schießsport an sich kümmert. Ich nenne mal ein Beispiel: Ein Übungsabend wird eher abgebrochen, damit für eine Festlickeit am nächsten Tag aufgebaut werden kann. Das darf nicht sein. Wir sind ein Schützenverein, dort wird geschossen und wenn das alles erledigt ist, dann kommt die Feierlichkeit. Zu meinem Ziel den Schießsport zu fördern, gehört auch, wieder vernünftige Munition zu haben, damit wir uns nicht verstecken müssen bei irgendwelchen Wettbewerben. Wir haben gute Schützen. Wenn es so weit kommt wie aktuell, dass man zur Kreismeisterschaft nicht mehr meldet, weil keiner sich blamieren will mit der Munition – das darf nicht sein! Auch wenn das vom Geld her nicht so einfach ist. Wenn jeder achte Schuss eine 8 ist und der nächste Schuss wieder eine 10, dann kann das nicht nur am Schützen liegen, selbst wenn der Schütze natürlich auch Fehler macht, gar keine Frage.

Als Insignien des 1. Vorsitzenden bekommt Alfred Kubocz von Dirk Rösemeier und Adolf Schäfer 3 Sterne auf seine Schulterklappen "genagelt"; Adolf Egestorf schaut dabei zu.

Ich höre heraus, dass für Dich immer der Verein an sich im Blickpunkt steht. Ist es eines Deiner Ziele bei den Mitgliedern ein „Wir-Gefühl“ zu erwecken?

Kubocz: Ja, klar. Es soll jeder sagen können „Ich bin im Schützenverein Berenbostel!“ ohne denken zu müssen „Oh, was habe ich jetzt gesagt. Wie werden die anderen mich jetzt angucken, weil ich im Schützenverein bin?“. Feiern gehört dazu, aber es soll nicht [verknüpft] sein „Schützenverein – ja, natürlich, hoch die Tassen: Das ist der Schützenverein“. So werden Schützenvereine ja oft nach außen hin dargestellt. Dieses Image der Schützenvereine werde ich nicht verhindern können, aber ich werde versuchen den Blick mehr auf den Schießsport zu lenken. So, dass es heißt „Ah, das ist der Schützenverein Berenbostel, die haben letztes Jahr ein Pärchen gestellt, das Kreiskönig geworden ist.“ So etwas sollte in erster Linie bekannt sein über den Schützenverein Berenbostel. Wenn es dann außerdem heißt „…und feiern können die Schützen auch noch gut“ – so wäre es toll.

Sind benachbarte Vereine ein Vorbild, zum Beispiel der in höheren Leistungsklassen vertretene Schützenverein Osterwald Unterende?

Kubocz: Ich weiß nicht, ob das ein Vorbild ist, aber auf jeden Fall ein Verein, wo man mal hingucken kann. Zum Beispiel auf die Jugendarbeit: Jugendliche die einfach nur so ins Vereinshaus gehen um dort andere Gleichgesinnte zu treffen und eine Cola trinken und ihren Spaß haben, statt wie viele andere einfach nur abzuhängen. So etwas würde ich toll finden. So etwas kenne ich auch aus dem Schützenverein in Westerland auf Sylt, wo die Jugend ebenfalls ins Vereinshaus geht, um Schießsport zu betreiben und Spaß hat.

Auch Dein Vorgänger hat die Jugend gefördert und unterstützt. Hast Du Dir bereits ein konkretes Konzept für die zukünftige Kinder- und Jugendarbeit überlegt?

Kubocz: Insofern konkret, dass ich in Abstimmung mit dem Vorstand das versuchen werde, was es wohl schon mal gab, nämlich die Schulen anzusprechen. Einfach mal wieder versuchen, an diese heranzutreten. Natürlich will ich keinen „Schulsport Schießen“ machen. Aber über diesen Weg und zusätzlich über die Jugendorganisationen möchte ich versuchen an Jugendliche heranzukommen. Ich meine, schräg gegenüber unseres Schützenhauses ist ein Jugendzentrum [Anm.: „Haus der Jugend Berenbostel“ in der Dorfstraße]; sollen die Jugendlichen doch mal herüberkommen ins Vereinshaus und wir machen einen schönen Nachmittag oder Abend mit zehn Jugendlichen und vielleicht ein Vergleichschießen. Dadurch können die Jugendlichen mal schießen und können sehen, ob sie dauerhaft Interesse daran haben. Zumindest lernen die Jugendlichen das Schießen einfach mal kennen; dass es nicht um das schlechte Image vom Herumballern geht, sondern um Sport, zu dem Konzentration und noch viel mehr dazugehört. Das sind meine ersten Ziele, was ich vorhabe.

Für Mai 2015 hast Du den Besuch einer Abordnung der Berenbosteler Schützen beim Schützenfest in Westerland geplant. In der Vergangenheit gab es Vergleichschießen mit den Schützenvereinen Mandelsloh, Grethem-Büchten, mit der Polizei Garbsen sowie mit der Berenbosteler Feuerwehr und den Berenbosteler Geschäftsleuten. Sollen diese Vereinsfreundschaften aus Deiner Sicht fortgeführt oder überarbeitet werden?

Kubocz: Auf jeden Fall fortgesetzt werden, aber vielleicht in anderer Art und Weise. Es gibt ja nicht nur Schützenvereine, die an solchen Vergleichschießen teilnehmen und wir haben so viele Vereine in Berenbostel, warum sollte man nicht auch mal an den TSV Berenbostel oder andere Vereine herantreten? Einen ersten Anstoß gab es ja schon von Dirk [Rösemeier]: Die Kinder des Tischtennisvereins von gegenüber [Anm.: TKB Berenbostel] haben einen Ausflug zu uns gemacht. Das fand ich toll. Dann waren wir hinterher bei denen, das war eine tolle Sache.

Aber ich möchte das nicht nur auf Kinder beziehen, sondern auch auf Erwachsene, so dass wir versuchen mit anderen Vereinen zusammen zu kommen. Wie wir jetzt in Osterwald Unterende und in Helstorf zum Rundenwettkampf waren, gab es schon die ersten Gespräche, ob wir nicht mal wieder so eine Art Vergleichschießen mit Osterwald Unterende machen wollen, was es früher wohl schon mal gab. Andreas Wichmann und Andreas Schiewe haben gleich ihre Telefonnummern ausgetauscht und werden zusammen telefonieren. Man kann auch mal wieder auf einen (Holz-)Vogel schießen, das gab es wohl auch schon mal. Jeder ein Schuss hintereinander weg bis ein Flügel abfällt oder die Krone oder das Zepter. Einfach mal wieder ein Zusammenkommen mit anderen Vereinen.

Inwieweit das Frühschoppenschießen mit Feuerwehr und Geschäftsleuten noch Sinn macht? – Ein Frühschoppenschießen sollte man vielleicht allen Vereinen anbieten, die Lust haben. Einfach alle Vereine mal anschreiben: „Es ist Frühschoppenschießen, meldet Euch an, ihr könnt eine Mannschaft mit bis zu 8 Leuten stellen, das Schießen ist dann und dann, sagt ob ihr kommt.“ Mal gucken, ob man dadurch nicht etwas zusammenkriegt. Das wäre so meine Vorstellung.

Dein Vorgänger ist 76 Jahre, Du bist 50 Jahre. Wie viel wird sich durch diesen Generationswechsel ändern? Was wirst Du anders machen als Dein Vorgänger?

Kubocz: Grundsätzlich erstmal vorweg: Da ist nichts falsch gelaufen. Das ist ganz wichtig. Das möchte ich auch immer wieder betonen. Aber es wird ein wenig moderner werden. Das geht damit los, dass man auch mal E-Mails schreiben kann. Das erleichtert die ganze Sache um 50 %. Wenn ich sehe, welche Arbeit sich Horst [Dettmer] gemacht hat, mit einer Schreibmaschine seine Einladung [zur Jahreshauptversammlung] zu tippen; ich setze mich an den PC ändere das Datum und zwei Tagesordnungspunkte, der Rest ist sowieso oftmals gleich, gebe den Verteiler ein, dann geht die E-Mail raus und dann war’s das. Dann mache ich den PC zu. Dafür hat Horst bisher zwei Stunden Arbeit gehabt mit kopieren, eintüten und dies und jenes. Das wird sich auf jeden Fall ändern.

Auch alleine WhatsApp und was damit zu organisieren und zu machen ist: Bis auf Horst [Dettmer] und unseren Alterspräsidenten habe ich alle per WhatsApp anschreiben können wegen des Termins der nächsten Vorstandssitzung – ruckzuck haben sich 90 % der Leute gemeldet. Solche Sachen werden sich ändern. Die Technik wird mehr Einfluss nehmen in organisatorischen Sachen.

Ansonsten hatte ich ja schon gesagt, dass ich versuchen möchte, die Jugendarbeit aufzupeppen.

Werbung finde ich ganz wichtig. Auf der medialen Schiene: Facebook, was ich bereits als stellv. Vorsitzender angefangen habe, unsere Internetseite und die Newsletter, die es schon jahrelang gibt. Aber auch herkömmliche Sachen habe ich vor. Wir haben viele ältere Leute. Warum sollen die sich nicht mal treffen und für wenig Geld ein paar Plakatwände zusammenzimmern, die man irgendwo hinstellen kann, wenn wir eine Veranstaltung haben? Dann wird auf der Dorfstraße an irgendeinen Laternenpfahl der Plakataufsteller unten hingestellt, so wie wir es beim Scheunenfest und beim Volksschießen bereits gemacht haben, als wir uns zehn Plakataufsteller vom Musikkorps ausgeliehen haben. Teilweise waren die aber schon verrottet. Deswegen möchte ich, dass wir so etwas selber haben. Es wird immer Leute geben, oder ich mache es selber, dass ich die Dorfstraße und den Dorfplatz einmal langfahre und es werden an jede Ecke vier Plakate hingestellt. Damit die Leute aufmerksam werden und wissen, es gibt den Schützenverein und da ist immer etwas los. Das ist ganz wichtig.

Es klingt so, als wäre die Steigerung der Mitgliederzahl auch eines Deiner Ziele?

Kubocz (dazwischen): Ja, natürlich!

Oder wäre es in Ordnung den Status quo zu halten?

Kubocz: Natürlich wäre es gut, wenn wir die Mitgliederzahl auf jeden Fall halten. Das ist wirklich das Mindestziel. Allein um vernünftig wirtschaften zu können und auch mal wieder investieren zu können, ohne dass wir uns anderswo groß einschränken zu müssen, wäre es gut, wenn die Mitgliederzahl steigen würde. Wir kaufen uns eine Pistole im Jahr und dann ist aber auch schon [das Ende der Fahnenstange erreicht], weil wir ja auch Munition brauchen und die laufenden Kosten immens hoch sind. Das ist schon schade. Wir haben zwar 12 Luftgewehre, aber es wäre schöner, wenn wir sagen könnten, wir kaufen uns mal zwei, drei neue Luftgewehre, vernünftige mit ein bißchen Zusatzkram oder so. Das geht nur durch mehr Mitglieder, denn mehr Mitglieder bedeuten im Endeffekt auch mehr Geld. Das ist leider so.

Die Jugend jetzt mal ausgeklammert. Welches ist Deine Alterszielgruppe bei neuen Mitgliedern?

Kubocz: Relativ egal. Ich glaube nicht, dass es noch Ü-60 geben wird, die sich darum reißen würden in den Schützenverein einzutreten, wenn sie nicht zugezogen sind und schon in der alten Heimat in einem Schützenverein waren. Ansonsten: Ü-20 aufwärts. Völlig egal. Wäre toll, wenn man ein Mittelfeld 25 – 45 Jähriger hätte. Wenn das eine große Masse wäre, das würde ich gut finden. Aber alles andere natürlich auch. Völlig offen.

Wie willst Du den Verein nach innen führen – eher autoritär, patriarchalisch, partizipativ oder kooperativ? Welchen Führungsstil bevorzugst Du?

Kubocz: Ganz gut finde ich den situativen Führungsstil, das heißt auf die Situation und mein Gegenüber angepasst zu reagieren. Ich kann und werde mich auf mein Gegenüber einstellen und dementsprechend handeln.

Und keine Alleingänge! Die wird es bei mir nicht geben. Alles wird im Vorstand besprochen, jedes kleine Thema werde ich auch im Vorstand ansprechen und werde mir den Rat und auch die Zustimmung des Vorstands holen. Aber wenn zehn Leute sagen „Das ist eine doofe Idee, Alf“, dann würde ich nicht sagen „Egal ich mache das trotzdem, ich bin 1. Vorsitzender!“. Ich kann mir keine Situation vorstellen, wo das vorkommen könnte.

Entweder man hat im Vorstand ein super Team oder wenige geniale Einzelpersonen, die aus der Mannschaft herausragen und den Laden am Laufen halten. Was hältst Du für die bessere Variante?

Kubocz: Ich glaube, man muss beides haben und ich glaube, das haben wir auch. Wir haben insgesamt ein gutes Team. Natürlich tun sich aus solch einem Team auch wieder ein, zwei, drei Personen allein aufgrund ihres Standes im Vorstand hervor, die viel viel mehr machen als andere im Vorstand, da sie sich vielmehr einbringen, das liegt entweder an der Zeit, die diese Personen einbringen, oder an dem Posten, den sie bekleiden. Ansonsten mache ich mir darüber keine Sorgen.

Du bist nun aktiver Schütze und Vorsitzender. Gehst Du noch anderen Hobbys nach oder machst Du zum Ausgleich noch einen anderen Sport?

Kubocz: Nein, dafür reicht es beim besten Willen nicht mehr. Auch wenn ich es nötig hätte, mal wieder richtig Sport zu betreiben und weniger zu essen und mich gesünder zu ernähren. Das bleibt leider auf der Strecke, zur Zeit.

Unser Hobby ist Sylt.

Ich weiß, was von der Auslastung her auf mich zukommt. Auch durch meinen Job bin ich viel, auch mal überraschend, unterwegs. Ich werde auch mal überraschend etwas absagen. Aber das habe ich angekündigt, das wussten alle.

Alfred Kubocz beim Schützenausmarsch 2014 in Letter

Im CDU-Vorstand war ich zumindest Beisitzer, aber das relativ engagiert. Samstags bei Edeka gestanden und Sachen verteilt, wenn Wahlkampf war und diesen Kram. Das habe ich jetzt aufgegeben bzw. sind jetzt im Februar Neuwahlen und ich werde nicht mehr antreten. Das gilt übrigens auch für Tine [Anm.: Ehefrau Bettina Kubocz]. Sie war Schriftführerin im CDU-Vorstand, tritt dort zurück und wird nur noch Beisitzerin sein. Dadurch fällt eine ganze Menge Arbeit für sie weg, wodurch sie mich unterstützen kann. Ich kann das ja nicht alleine wuppen. Tine wird mich unterstützen. Von daher bin ich froh, dass sie im Vorstand [des Schützenvereins] mit drin ist, weil dann vier Ohren hören, was dort erzählt wird. Dann kann man zuhause nochmal brainstormen: „Weißt Du noch, was da gesagt wurde?“ – das ist meine große Hilfe.

Dass die Aufgabe arbeitsintensiv ist, ist klar. Das merke ich jetzt schon, aber das wusste ich vorher. Das ist okay.

Aber Du schießt auch weiterhin?

Kubocz: Ja, natürlich. Bei den Monatsschießen werde ich [nur] meinen Pflichtteil schießen. Ich habe mir vorgenommen auch bei den Leuten zu sein. Schießen will ich beim Übungsschießen. Wenn es irgendwie passt, will ich auch mit zu Pokalschießen fahren und wenn es passt auch beim Preisschießen anderer Vereine mitschießen. Auf jeden Fall wird der Schießsport Bestand haben.

Beim Königschießen hat Deine Tine vorgelegt.

Kubocz (unterbricht lachend): Schlechtes Thema!

Wie ist Deine Prognose? Wie wird das weitergehen auf lange Sicht?

Kubocz (lacht): Ich habe es immerhin geschafft in Westerland Vizekönig zu werden, das ist ja auch schon mal etwas, das ich hier nicht hingekriegt habe. Aber dort ist es nur ein Schuß. Bei uns ist das Königschießen ja keine Glückssache, sondern wirklich ein Wettkampf. Das finde ich echt super. Bei uns gewinnt den Königstitel wirklich der Beste. Das ist einfach so. Bei anderen Vereinen wird das oftmals vorher festgelegt. Was ich bei uns auch gut finde ist, dass der König nicht unbezahlbar ist. Bei uns kann jeder König werden und wenn er dann nur einen oder zwei ausgibt, dann ist auch keiner traurig. Dann ist es so. Das finde ich ganz toll.

Dass Tine im Endeffekt bei ihren Damen besser abschneidet, als ich bei meinen Herren, das ist so, weil wir so gute Herren haben, da komme ich nicht gegen an. Das ist der einzige Grund. (lacht) Die sind noch besser als ich! Das ist fast nicht zu schaffen, aber das gibt’s. (lacht)

Viel Erfolg und danke für das Gespräch.

 
Das Interview führte Webmaster Stefan Henke am 09. Februar 2015.
 
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